Vorwort

 
 


Vom Aquarianer zum Froschhalter:
Bereits als Jugentlicher
besaß ich mehrere Großaquarien, die ich sehr biotopgerecht und nach Habitatbedingungen der jeweils gepflegten Fische einrichtete. Sehr zum Groll meiner Eltern.
Schon damals wollte ich nicht den Guppy, den Neon, Skalar oder Betta Splendens den jeder hatte. Ich hielt eine Gruppe ca. 12cm große Leopard - Buschfische (Ctenopoma acutirostre), ca. 60cm lange Flösselaale (Erpetoichthys calabaricus),  ca. 15cm große Schmetterlingsfische (Pantodon buchholzi), hinzu kamen über Jahre hinweg noch 12cm große Stromschnellencichliden Teleogramma brichardi und Killifische wie Nothobranchius guentheri, Fundulopanchax gardneri, Aphyosemion striatum, Fundulopanchax sjoestedti, u. Andere, dessen Verhalten mich einfach faszinierte. Tiere die man nicht mit Trockenfutter aus der Dose füttern musste, sondern echte Lauerjäger dessen Fresstrieb, nur durch sich bewegende Beute geweckt wurde. Fische die sich den widrigen Bedingungen in der Natur angepasst haben, annuelle und nichtannuelle Arten, dessen Beschreibung hier den Rahmen sprengen würde.

 

 

Jahrelange besuche ich Aquaristik- und Terraristik- Fachgeschäfte in denen ich meine Lebendfutter-Abonnements hatte. Der Weg führte mich zwangsläufig auch an hübschen bunten Pfeilgiftfröschen vorbei. Unwissenheit hielt mich zunächst davon ab, mich mit der Anschaffung bzw. Haltung dieser Tiere näher zu beschäftigen. Auch die Bezeichnung „Pfeilgiftfrösche“ schreckte mich erst einmal ab.

Nach Jahren erschienen dann in einigen Aquaritik-Fachmagazinen auch die ersten Artikel über Dendrobaten, die mein Interesse an diesen Tieren plötzlich immens weckten.

Das Hobby Aquaristik wollte ich ohnehin ein bisschen einschränken und mich von einigen meiner mittlerweile 16 Aquarien trennen. Jahrelang hatte ich viele Westafrikanische Fischarten gezüchtet. Mir war alles etwas über den Kopf gewachsen. Heiße Sommer in denen man die Außenfilter in Eis stellen musste um 1120 und 500l Becken auf Normaltemperatur kühlen zu können, leider hatte ich trotz aller Maßnahmen einige Verluste von wirklich seltenen Fischen zu verzeichnen. Ein großer Fauxpas wie ein defekter Außenfilter der die ganze Wohnung flutete bestärkten mich dann in der Entscheidung, nun doch schnell auf einige Aquarien zu verzichten.

Dafür sollte ein großes Palludarium in den Maßen 140x80x100 cm her, welches ich auch baute.
Also zog ich los und suchte nach Fachliteratur, um mich mit den Haltungsbedingungen der Pfeilgiftfrösche vertraut zu machen. Das Ergebnis war ernüchternd, nirgends gab es Fachbücher einfach mal so zu kaufen. Es gab zwar Magazine in denen Pfeilgiftfrösche, mit nur einem kleinen Artikel abgehandelt wurden, doch brachte mich das nicht wirklich weiter. Ich machte mich also kundig, bestellte mir Bücher, die für mich als Neuling, immenses Fachwissen vermittelten, und heute immer noch als wichtige Nachschlagewerke dienen.
 

Das Palludarium war nun eingerichtet und eingefahren. Der Prozess von der Entscheidungsfindung bis zur entgültigen Fertigstellung hatte letztendlich fast eineinhalb Jahre gedauert.

Zuerst zog ein vermeindliches Pärchen Azureus in das Terrarium ein, welches sich dann aber als zwei Kerle herausstellte, zudem sahen sie mit zunehmendem Alter eher aus als seien es Hybriden und keine reinrassigen Azureus, deshalb gab ich sie dem Vorbesitzer unentgeltlich zurück, um nicht selbst bei Weitergabe einen schlechten Ruf zu bekommen. 

links Hybrid rechts tinctorius azureus aus "sauberer" Eblinie


Nach längerer Diskussion, wurde auch eingeräumt, dass die Azureus mit Tinctorius Patricia zusammen gehalten wurden, was meinen Verdacht wegen der doch extravaganten Musterung dann bestätigte.

Nach fast zwei Jahren suchte ich mir dann einen Züchter in meiner Nähe und ging mit der festen Vorstellungen zu ihm, ein Paar Auratus Bronze zu kaufen.

Die Vielfalt der Frösche beim Züchter überforderte mich sichtlich.

Ich zeigte Ihm Fotos von meinem Palludarium und sagte Ihm welchen Besatz ich mir vorstellen würde.

Er erleichterte mir die Wahl als er mir zeigte, wie zutraulich doch ein Tinctorius im Gegensatz zu einem Auraten ist, und wie versteckt hingegen doch ein Auratus dann in meinem riesen Becken leben würde.

Aber auch die Auswahl an Tinctorius-Arten war erschlagend. Er gab mir alle Zeit die Elterntiere zu beobachten, und unter den Jungtieren die aktivsten und stärksten Tiere auszusuchen, futterfest waren sie alle, einige jedoch kräftiger und intensiver in den Farben.

Meine Wahl fiel auf  Tinctorius Pic Matécho, diese Froschart war fast handzahm, unheimlich aktiv und immer präsent. Und das war es, was ich haben wollte, in einem Becken mit solch großen Maßen sollte man nicht nach dem Besatz suchen müssen, er sollte einfach präsent sein. Der Züchter unterstützte mich auch in der Auswahl der Jungtiere, die eigentlich noch zu jung waren um eine 100% Geschlechtsbestimmung anhand der Finger zu machen, doch anhand der Körperform orientiert solte es ein ungefähres Verhältnis 2.3.0 sein.





Es sollte sich in dieser Fünfergruppe auf jeden Fall ein Paar bilden können. Was sich dann später auch bestätigte.

Die Pic Matécho durften also in ihr Palludarium einziehen und waren ab diesem Tag der Magnet für alle Erwachsenen und Kinder die uns besuchten.


Meine Anfänge in der Terraristik: Palludarium in der Größe 140x80x100cm BxTxH. Beleuchtet mit sechs T5 Röhren 58W 6500K. Eheim-Aussenfilter zur Aufbereitung des Wassers. Geregeltem Luftaustausch hinter, bzw. durch die Back to Nature Rückwand Zu- und Abluft technisch geregelt. Nebelanlage und Beregnung per Zeitschaltuhr geregelt.


Für die Haltung von Dendrobaten empfand ich es eher als ungeeignet, die Reinigung des Beckens war aufgrund der Größe fast nicht zu bewältigen. Zugang war nur von oben möglich, Lianen und Korkäste waren sehr schnell verfault und knickten ein. Das hatte ich trotz aller ausgefeilten technischen Finessen nicht eingerechnet.

Das Los eines Anfängers, deshalb mußte es nach knapp einem Jahr zu Gunsten von vier 60x60x70cm Terrarien weichen.






























Und die Entwicklung nahm Ihren Lauf. Ein Ausweichbecken musste her, ein Aufzuchtbecken und und und.........

Die Bibliothek füllte sich mit neuen Büchern  z.B. Pfeilgiftfrösche von Schmidt und Henkel, und der Nachfolger Pfeilgiftfrösche von Lötters/ Jungfer/ Henkel und Schmidt, Dendrobatidae I/II/III von Siegfried.P.Christmann. Oophaga Pumilio das Kompendium von F. Steinmann & C. van der Lingen,  Erfahrungen mit kleinen Pfeilgiftfröschen von Harald Divossen und Seine vielen Broschüren über Pfeilgiffrösche. – auch Pfeilgiftfrösche Artenteil Peru von R. Schulte, Lurche von Masurat und Große, Bribri Journale von Ben´s Jungle, Pfeilgiftfrösche im Terrarium von J.G.Walls,  Poison Frogs – Jewels of the Rainforest von J.G.Walls, Froschlurche im Terrarium von H.J. Hermann um nur einige wichtige aufzuzählen.

Mit meinen Erfahrungen die ich sammelte und auch durch die Literatur, die ein wesentlicher Grundstein meines Wissens ist, wuchs meine Sicherheit im Umgang und in der Haltung von Dendrobaten,  ebenso der Umgang mit den verschiedensten Futtertieren und dessen Zucht, welche bei der Haltung dieser Tiere ein wichtiger Bestandteil ist.

Sehr hilfreich waren auch Freundschaften mit erfahrenen „Froschlern“, Züchtern die ich glücklicherweise kennen lernen durfte. Eher zufällig, denn es gibt hier keine wirkliche Szene wie in der Aquaristik, alles findet in dieser Region eher in einem engen Kreis statt, keinen Frosch-Stammtisch, keine Vereine, nur einige "alte Hasen" die sich schon ewig kennen und sich mit Anderen seit Jahren in Rüsselsheim, Hamm,  Marktheidenfeld oder anderen Börsen treffen.

Mittlerweile gibt es in meinem Haushalt nur noch ein einziges Aquarium, und auch das Palludarium musste zu Gunsten von vier neuen Terrarien weichen, alle Fische wurden gut untergebracht, sind Teilweise von den Händlern selbst als Besatz für Ihre privaten Aquarien gekauft worden.

Das Pic Matécho Paar hat mittlerweile schon ein stolzes Alter erreicht und ist immer noch unheimlich aktiv.
Es lebt in einem Terrarium in den Maßen 80x50x80cm und bringt immer noch erfolgreiche Gelege.

Mit der Erweiterung meiner Terrarienwände ist auch Artenvielfalt an Dendrobaten angestiegen. Unter anderem halte ich jetzt auch kleinere Arten wie Ranitomeya und Pumilio.

Ebenso lege ich inzwischen Wert darauf Zuchtpaare zu halten die Blutsfremd sind, nicht wie anfangs Geschwisterpaare um auch optimale Nachzuchten zu erhalten.






Aber das kann man ja dann auf meinen Seiten sehen.

www.froschmichl.de/Froschraum.htm


Ich möchte unbedingt noch darauf hinweisen, das meine Seiten einen Einblick in mein Hobby gewähren sollen. Sie aber keinesfalls als Referenz, oder Grundlage einer erfolgreichen Haltung von Pfeilgiftfröschen dienen soll. Es gibt viele erfolgreiche Arten ein Dendrobaten Terrarium einzurichten. Wichtig ist es, biotopähnliche Bedingungen zu schaffen, in dem Temperatur und Feuchtigkeit dem Tier angepaßt sind. Dem Frosch ist es wahrscheinlich egal ob er in einer echten Bromelie ablaicht oder in einem Imitat. Wichtig ist, das er sich im Klima des Becken wohl fühlt und ihm Rückzugmöglichkeiten geboten werden.

Die Sicherheit innerhalb kürzester Zeit ein geeignetes Versteck zu finden, dankt uns der Frosch indem er mit einer Selbstverständlichkeit vor uns sitzen bleibt, obwohl wir fleißig im Terrarium herumwerkeln, ob wir nun Pflanzen schneiden, den Bodenbelag austauschen oder füttern. Ein Teil meiner Dendrobaten hat sich so an mich gewöhnt, sie muß ich wegschieben um sie loszuwerden was die Arbeiten im Terrarium nicht unbedingt erleichtert. Dem Stress, sie jedesmal umzusetzen bis die Arbeiten beendet sind, will ich sie nicht aussetzen. Sie haben sich schon daran gewöhnt, das jeden Sonntag Ordnung gemacht wird, danach gibts  ein Sonnenbad mit der Ultravitalux.

Ich hatte das Ziel, mir persönlich meinen eigenen natürlichen kleinen Regenwald zu schaffen, ein kleines Biotop, mit blühenden Pflanzen und rufenden Fröschen. Und das habe ich erreicht.

Aber auch mit unfreiwilligen Pfleglingen, wie Asseln, Schnurasseln, Tausendfüßlern, Würmern, Kugelspinnen und Schnecken, die man sich durch die Verwendung von natürlichen Materialien und auch mit dem Füttern von Wiesenplankton ins Terrarium holt, musste ich leben lernen.

Verschiedenste Spinnen die sich verstärkt hinter, über und um die Terrarien breit machen, und sich an den entfleuchten Drosophila zu laben.


Auch mit der ein oder anderen Drosophila die sich immer wieder mal in ein Getränk oder auf Obst außerhalb des Terrariums verirren wird, muß man klar kommen!

Ganz besonderst flinke Ausbrecher sind Ofenfische, die sich zum Glück danach meist im Bereich der warmen Lampen aufhalten.

Dies ist die Kehrseite an diesem wunderschönen Hobby, und dessen sollte sich jeder bewusst sein ehe er loszieht um sich ein Dendrobatenterrarium zu kaufen.

Denn beim Kauf eines solchen Dendrobaten bindet man sich an ein Tier, das bei einer erfolgreichen Haltung ein Alter von weit mehr als 10 Jahren erreichen kann, mit allem was dazugehört.................

 

Nun wünsche ich viel Spaß auf meinen Seiten!